KASTRATION VON HÜNDINNEN

KASTRATION VON HÜNDINNEN

Im Gegensatz zum Rüden gibt es bei der Hündin medizinische Gründe aus denen man sich bereits bei der jungen, gesunden Hündin für eine Kastration entscheiden kann. Der Grund dafür ist, dass der Zyklus der Hundedamen sich ziemlich von dem von zum Beispiel Frau, Kuh, Stute und den meisten anderen Säugetieren unterscheidet.  Ganz besonders in dem Punkt, dass Hündinnen nach der Läufigkeit jedes Mal quasi denselben Hormonablauf durchleben, als wären sie trächtig. Ganz besonders das Schwangerschaftshormon Progesteron ist bei den Hundedamen nach der Läufigkeit für gute zwei Monate auf einem sehr hohen Level. Darum bilden fast alle Hündinnen mehr oder weniger viel Milchdrüsengewebe in dieser Zeit an. Bei einigen geht die Scheinträchtigkeit so weit, dass sie in etwa um den Zeitpunkt, um den auch eine tatsächliche Trächtigkeit sich dem Ende neigen würde, anfangen ein Nest zu bauen, Kuscheltiere wie einen Welpen behandeln, Milch geben usw. Oft fressen solche Hündinnen in dieser Zeit schlecht oder gar nicht. Wenn ihre Hundelady sich so verhält oder ihnen auffällt, dass aus den angeschwollenen Zitzen tatsächlich auch Milch kommt, suchen sie bitte den Tierarzt auf.

Nach dieser Zeit befindet sich die Hündin in der Regel für einige Monate im hormonellen Ruhezustand bevor der Zyklus von neuem startet. Dieser Schwangerschafts-Leerlauf ist leider etwas fehleranfällig. Zum einen haben Milchdrüsen, die öfter als einmal diesen Zyklus durchgemacht haben, ohne „genutzt“ zu werden, ein deutlich höheres Risiko im Alter tumorös zu entarten als die einer Hündin, die vor ihrer Kastration nur einmal oder gar nicht läufig wurde. Dies soll allerdings nicht heißen, dass es ratsam ist, ihre Hundemadam vorher kastrieren zu lassen.

Zum Anderen birgt jede ungenutzte Läufigkeit die Möglichkeit, dass danach eine sogenannte Pyometra entsteht – eine eitrige Entzündung der Gebärmutter. Während der Läufigkeit ist diese nämlich über einige Tage offen und schließt sich danach wieder. Sind in dieser Zeit Keime über die Scheide aufgestiegen, finden diese dann ziemlich feine Bedingungen für eine Vermehrung vor. Die Gefährlichkeit besteht nun darin, dass man dies manchmal erst sehr spät merkt. Im einfacheren Fall öffnet sich die Gebärmutter wieder und die Hündin bekommt vaginalen Ausfluss. Im schwierigeren Fall zeigt die Hündin erst Symptome, wenn die Bakterien sich weiter ausbreiten und die Hündin Fieber und/oder Bauchschmerzen bekommt. Die Symptome sind meistens sehr unspezifisch. Oft zeigt sich Müdigkeit und Apathie, mangelnder Appetit und manchmal auch Erbrechen. Auftreten wird dies wenige Wochen bis zu 2-3 Monate nach der Läufigkeit und kann je nach Verlauf ein waschechter Notfall werden. Die meisten Hunde-Ladies finden sich oft auf dem OP-Tisch wieder. Zwar besteht die Möglichkeit einer medikamentösen Therapie, allerdings ist diese ziemlich kostenintensiv und die Wahrscheinlichkeit, dass man sich nach der nächsten Läufigkeit in derselben Situation befindet, ist sehr hoch. Diese Variante kommt daher eher nur für sehr alte Hündinnen in Frage.

Die sinnvollere Methode besteht in der Kastration. Dabei werden die Eierstöcke und – besonders bei einem bereits entzündlich oder anderweitig veränderten Organ – auch die Gebärmutter entfernt. Bei einer sogenannten Pyometra muss natürlich ganz besonders sauber gearbeitet werden. Außerdem ist die Gebärmutter durch die Entzündung stärker durchblutet. Weiters trifft sie häufiger schon etwas ältere Hündinnen. Man kann sich gut vorstellen, dass der Eingriff von jungen, gesunden Hündinnen, die sich gerade im hormonellen Ruhezustand befinden (Sie erinnern sich: 2-3 Monate nach der Läufigkeit) deutlich besser weggesteckt wird als von einer älteren Dame. Diese ist dabei ja oft zusätzlich durch die Sepsis und das Fieber geschwächt und hat vielleicht auch schon andere Erscheinungen. Daher gehen die Empfehlungen dahin, Hündinnen nach ein bis zwei Läufigkeiten kastrieren zu lassen. Sollten Sie das nicht wünschen, wäre anzuraten, einige Zeit nach der Läufigkeit zu einer Ultraschalluntersuchung zu gehen um zu kontrollieren, ob alles in Ordnung ist, damit einem selbst und dem Hund die akute Notfall-Variante erspart bleibt.